Eslohe (Sauerland) vom 14.05. bis 18.05.2026

Unsere traditionelle Himmelfahrtstour begann dieses Jahr in Lehrte unter der Autobahnbrücke. Aufgrund einer sehr feiertagsfeindlichen Wetterlage sahen wir uns genötigt, in der Atmosphäre von behaglicher Trockenheit unsere Regenkombis zu bestaunen und Wetten abzuschließen, an welchen Stellen das Wasser zuerst durch die Nähte dringen würde. In Anbetracht der spätwinterlichen Temperaturen lebte ich unter meiner Motorradkleidung den klassischen Zwiebellook und hatte es zu meiner Verwunderung zusätzlich geschafft, mich irgendwie in die wasserfeste Pelle zu stopfen. Erfahrungsgemäß dient die erste Tour des Jahres auch immer dazu, Problemzonen beim Sitz der Motorradkombi zu erkennen. Ich mache es kurz, etwas Stretch in der Hose wäre schön. Wir starteten zeitversetzt in drei Gruppen Richtung Eslohe im Sauerland. 

Der Regen vermasselte uns die Sicht, wir sehnten die erste größere Pause herbei. Die fand in einer Bäckerei in Delligsen statt. Während wir mit klammen Fingern unsere Heißgetränke schlürften, wurden unsere Motorräder vor der Ladentür plötzlich in gleißendes Sonnenlicht getaucht. Geblendet tasteten wir uns zu unseren Maschinen, begutachteten den beachtlichen Verschmutzungsgrad unserer Gefährte und setzten unsere Fahrt, jetzt bei immerhin durchwachsenem Wetter, fort. In Bad Arolsen legten wir eine kurze Pause ein, um das prächtige Schloss zu bewundern.

 Aufgrund des Wetters fuhren wir relativ zügig weiter zum Edersee, um im Café Ederblick eine Mittagspause einzulegen. Für unseren letzten Tourenabschnitt ließ sich zunehmend die Sonne blicken. Nach einer entspannten Tour durch die immer schöner werdende Landschaft, trafen wir am späten Nachmittag im Hotel Stoetzel in Eslohe zum wohlverdienten Stiefelbier aus der hauseigenen Brauerei ein. 

Unser erster Tourentag vor Ort begann mit einem entspannten Frühstück. Die Stimmung war heiter, das Wetter war es nicht. Am Abend sollte sich auch herausstellen, dass unsere Gruppe, im Gegensatz zu der sonnenverwöhnten Parallelgruppe, den Tag über die launische Regenfront zuverlässig an ihrer Seite hatte. Wir bugsierten unsere verdreckten Motorräder aus der hoteleigenen Garage und starteten zu unserem ersten Tourenpunkt, der sich allerdings als wenig attraktiv entpuppte. Während wir im zaghaften Sonnenlicht auf einem Parkplatz unser Pausenlager aufschlugen und die Aussicht ins Tal genossen, schickten wir unseren Guide zu weiteren Erkundigungen auf den Weg Richtung Hochheidehütte. Es gab Unstimmigkeiten über die Bedeutung eines Verbotsschildes, wir wollten Klarheit im Umgang mit der Straßenverkehrsordnung. Unser Späher schwärmte aus und kam mit der Meldung zurück, dass die Anfahrt über Schotter und Buckelpiste nicht begeistert, zumal uns auch mal wieder eine Wandereinlage vom Parkplatz zur Hütte drohte. Wir winkten ab und rollten den Hang wieder hinunter. Nächstes Ziel wäre das Schwerspatmuseum in Dreislar gewesen. Tatsächlich bestand unsere Gruppe aus einer Ansammlung bekennender Kulturbanausen was zur Folge hatte, dass wir eine Wendeübung auf dem Museumsparkplatz vollzogen und stattdessen eine Eisdiele in Frankenberg ansteuerten. Wie sich im Nachhinein herausstellte eine andere als eigentlich im Vorfeld geplant, war trotzdem lecker. Nachdem wir glücklich eine Unterzuckerung verhindert hatten, setzten wir unsere Fahrt über geschwungene Straßen und weite Löwenzahnwiesen fort. Die Sonne lächelte und der Wind war frisch, als wir leicht verfroren bei der Almhütte Schanze ankamen. Eine urige Hütte, in der wir Heißgetränke und die eine oder andere schmackhafte Kleinigkeit genossen, um in der Kühle vor der Tür durchzuhalten. Die herrliche Aussicht entschädigte für das Zähneklappern. Unser letztes Etappenziel sollte der Krückelheimer Fledermaustunnel sein. Bei inzwischen strahlendem Sonnenschein bogen wir erwartungsvoll auf den Parkplatz, der eigentlich zu dem Tunnel gehören sollte. Wir blickten uns suchend um, kein Tunnel. Wir hatten uns die ganze Aktion etwas einfacher vorgestellt und waren ratlos. Während wir beschlossen die Sonne zu genießen, machte sich unser, an diesem Tag ausgesprochen aktiver, Anführer auf den Weg, um Tunnel und Fledermäuse zu finden. Dabei schreckte er selbst vor der Überlegung nicht zurück, Minderjährige gegen Bezahlung in die Suche einzubinden. Bevor es zum Äußersten kam, konnten wir ihn zurückhalten und mit der Rückkehr ins Hotel und schmackhaftem Stiefelbier locken. Erneut verbrachten wir einen geselligen Abend mit hervorragendem Essen und der einen oder anderen regionalen Köstlichkeit in flüssiger Form. 

Der nächste Morgen startete mit einer Lektion. Ort des Anschauungsunterrichts war der Frühstücksraum, das Thema lautete "streichfähige Butter". Ein aufgeweckter Teilnehmer unserer Tour, grundsätzlich sämtlichen Experimenten gegenüber sehr aufgeschlossen, zog in Erwägung, die kühlschrankkalte 10Gramm-Portionsbutter über dem Dampf seiner Kaffeetasse zu erweichen. Ein tollkühnes Unterfangen, mein Kaffee ist nie so heiß das man von aufsteigenden Dampfschwaden sprechen könnte. In diesem Fall muss es aber so gewesen sein. Die Butter schmolz derart schnell, dass das glitschige Päckchen in die Tasse fiel. Der Vorfall sorgte für eine gewisse Erheiterung und wurde nicht wiederholt. Versuch macht klug, die Butterstückchen wurden am nächsten Morgen bei Körpertemperatur in der Hosentasche erwärmt. Das Ergebnis soll erheblich zufriedenstellender gewesen sein.

Nach dem Frühstück starteten wir zum Aussichtsturm "Hohe Bracht". Der Blick ins Umland war herrlich, ein lohnendes Ziel.

Von dort ging es weiter zur Listertalsperre. Im Restaurant "Gut Kalberschnacke" gab es eine Pause, bevor wir über das Örtchen Faule Butter zurück zum Hotel fuhren.

Wir genossen bereits unser Stiefelbier, als die zweite Gruppe unvollzählig am Hotel eintrudelte. Einer unserer Mitfahrer war mit dem ADAC auf dem Weg in eine regionale Werkstatt, die nicht unerheblich von unserem Quartier entfernt lag. Seine fast historische BMW hatte Öl verloren, eine Weiterfahrt war nicht mehr möglich gewesen. Er kam später mit dem Taxi zurück, das Unternehmen dürfte aufgrund der Reichweite mit dieser Fahrt seinen Wochenumsatz erarbeitet haben. Die Heimfahrt am nächsten Tag erfolgte durch einen glücklichen Umstand auf vier Rädern. Die Stimmung an unserem letzten Abend war heiter und wir waren uns einig, dass die Abfahrt am nächsten Morgen in aller Gemütlichkeit erfolgen sollte.

Das Frühstück war noch gemütlich. Danach war Schluss mit bummeln. Während ich auf meinem Zimmer noch mit finaler Sockensuche beschäftigt war, dröhnte der erste Motor unter dem Fenster. Ich traute meinen Ohren nicht und verfiel in Hektik. Schweißgebadet unter diversen Lagen unterschiedlich wärmender Funktionswäsche, zerrte ich meine BMW aus der Garage und schob sie an den Straßenrand. Die erste Gruppe rollte los. Dann gab unser Guide das Zeichen zur Abfahrt. Meine Vorderleute verschwanden fröhlich winkend im Morgendunst, ich kam nicht von der Stelle. Mein bayrischer Feuerstuhl gab keinen Mucks von sich. Ich rollte langsam hangabwärts, meine Hinterleute in Warteschleife. Irgendwann gab es einen Ruck und der Motor brummte los. Ich war erleichtert. Dieser Zustand der Sorglosigkeit hielt bis kurz vor dem Skywalk Wittingen an. Dann bemerkte ich während einer Steigung einen plötzlichen Leistungsabfall und der Motor erstarb. Wir standen am Rand einer stark befahrenen Straße und konnten das Motorrad unmöglich bergauf bis zum nächsten Parkplatz schieben. Während ich mich bereits auf eine Rückfahrt mit dem ADAC einstellte, kamen meine kompetenten Betreuer auf die Idee, meiner BMW etwas Benzin aus dem Tank einer Tiger einzuhauchen. Das Unglaubliche geschah, der Motor lebte wieder auf. Wir fuhren die nächste, hoffnungslos überfüllte, Tankstelle an und setzten unsere Rückfahrt ohne weitere Pannen fort. Unsere Parallelgruppe haben wir aufgrund dieser Bockigkeit leider nicht mehr, wie eigentlich vorgesehen, in den Pausen getroffen. Trotzdem sind wieder alle gesund zu Hause angekommen. Eine schöne Tour, ein wunderbares Hotel und das beruhigende Wissen, dass kommen kann was will, es ist immer Hilfe da. Danke dafür!