Herbsttour 2025, Thüringen (4.9.-7.09.2025)

Am ersten Septemberwochenende 2025 starteten wir zu unserer diesjährigen Herbsttour. Insgesamt 13 Teilnehmer, davon allerdings nur zwei Vertreterinnen der holden Weiblichkeit, verbrachten ein verlängertes Wochenende in Bad Tabarz/ Thüringen. Wir starteten wie immer an einem Donnerstagmorgen in zwei Gruppen Richtung Seesen, um dort in einer Bäckerei gemeinsam zu frühstücken. Die Stimmung war fröhlich, wir freuten uns auf eine schöne Zeit. Während unsere Gruppe noch am Feingebäck nagte, schwangen sich unsere Mitfahrer der Parallelgruppe bereits wieder auf die Motorräder, um die Anreise zügig fortzusetzen. Wir ließen es etwas ruhiger angehen und rollten erst einige Minuten später wieder los.

Die Gemütlichkeit fand selbstverständlich auch auf dieser Tour irgendwann ein jähes Ende. Der Preis für schöne Landschaften, geschwungene Kurven und gemütlich-bunte Ortschaften scheint grundsätzlich immer wieder in dem Bezwingen von Kopfsteinpflasterstraßen zu liegen. Natürlich nicht irgendein Kopfsteinpflaster. In diesem Fall handelte es sich um ein ganz besonderes Exemplar, das ein Teil des öffentlichen Straßennetzes sein darf. Eine Beschreibung dieser willkürlich zusammengewürfelten Feldsteine fällt mir schwer. Ich kann immer nur wieder darauf hinweisen, dass nicht alle Teilnehmer unserer Expeditionen auf einer geländetauglichen Maschine durch die Krater deutscher Asphaltkunst schaukeln. Das Gehopse auf meinem Zweizylinder führte mal wieder zu einer angeregten Debatte mit mir selbst, ob man grundsätzlich das zuständige Land auf Schmerzensgeld verklagen könnte. Meine tapfere BMW behielt erstaunlicherweise sämtliche Schrauben bei sich. Etwas weniger Glück hatte einer unserer Mitfahrer. Nach einem Überholmanöver fehlte plötzlich mein Hintermann samt Anhang. Der verbliebene Teil von uns versammelte sich auf einem Feldweg und wartete. Es dauerte, nichts tat sich. Wir forschten nach und erfuhren, dass dem Hinterreifen unseres Mitstreiters die Puste ausgegangen war. Der örtliche Reifendienst diagnostizierte einen Riss im Gummi. Eigentlich ist die Ursache für das Desaster unbekannt, der allgemeine Verdacht trifft aber die öffentliche Offroadstrecke.

 Nach einer kurzen Erfrischung am Seeburger See ging es mit einem neuen Reifen weiter zu unserem letzten Pausenpunkt, der Hafengaststätte "Zur Schlagd" in Wanfried. Es gibt in unserer großen Motorradgruppe eine kleine, aber durchaus selbstbewusste Minderheit, die zum Leidwesen der restlichen Truppe eine ausgeprägte Neigung zu unüblichem Einparkverhalten zeigt. Ein Teil dieser liebenswerten Spezies zeigte auf dem überfüllten Parkplatz der Gaststätte die volle Bandbreite seiner Kreativität und sorgte damit ungewollt für die eine oder andere Irritation im Publikum. Unsere Herren kennen das schon, man reagiert inzwischen recht gelassen und eilt nur noch in wirklichen Notfällen zu Hilfe.

 Nach Currywurst und Kartoffelsalat ging es dann abschließend nach Bad Tabarz, wo wir im Hotel einen ersten gemütlichen Abend verbrachten. Der nächste Tag begann leicht regnerisch, aber zumindest unsere Gruppe kam trocken durch den Tag. Nach dem Frühstück starteten wir Richtung Niederdorla, um uns den Mittelpunkt Deutschlands näher anzusehen. 

Wir setzten unsere Tour fort und pausierten zum zweiten Mal an der Schlagd, diesmal mit einem Auftrag. Ein Mitfahrer unserer Parallelgruppe bat uns, seine lange Unterhose einzusammeln. Er hatte sie sich am Vortag aufgrund steigender Temperaturen vom Leib gerissen und auf der Herrentoilette vergessen. Das gute Stück war tatsächlich noch keinem Diebstahl zum Opfer gefallen und wurde von uns bis zur Übergabe sicher verwahrt. Das Einparken verlief übrigens ähnlich wie am Vortag. Nichtsdestotrotz setzten wir unsere Fahrt fort, nächstes Ziel war die Divi- Blasii-Kirche in Mühlhausen. Ein beeindruckendes Bauwerk mit langer Geschichte. Von dort ging es weiter zur Creuzburg. Für eine Burg nicht untypisch auf einer Bergkuppe gelegen, die man auch erstmal erreichen muss. Wir kämpften uns eine steile Auffahrt nach oben, bestaunten die 500 Jahre alte Sommerlinde im Innenhof und genossen die Aussicht ins Tal. In das wir auch wieder hinunter mussten, was nicht ganz einfach war. 

Die Straßen wurden allerdings nicht besser, wir rumpelten zu unserem Stiefelbier zurück ins Hotel und verbrachten einen geselligen Abend mit lauwarmen Cocktails im Loungebereich des Hotels.

Unser dritter Tag startete mit Sonnenschein, als Sehenswürdigkeit standen für uns der Trusetaler Wasserfall und das Fahrzeugmuseum in Suhl auf dem Plan. Unsere Tour begann, wie sie am Vortag zu Ende ging. Wir polterten von einer Buckelpiste zur nächsten, eine ständige Herausforderung für Mensch und Material. Das irgendwann in Form meines Nierengurts massiv zu schwächeln begann. Durch die ständigen Erschütterungen arbeitete sich der Gurt langsam nach oben und begann, die Schultern zu wärmen. Dafür kühlte die, eigentlich zu schützende Partie, empfindlich aus. Das sich parallel dazu auch alles im vorderen Bereich nach oben schob, konnte mich allmählich nicht mehr aus der Fassung bringen. Bei unserer nächsten Kaffeepause berichtete ich meiner Mitfahrerin höchst amüsiert von der Identitätskrise meines Nierengurts. Während wir in ein angeregtes Gespräch verfielen, reagierte unser Guide etwas überfordert über die Intensität unserer Kommunikationsfreudigkeit. Er war beeindruckt, wie man mit dem Bedürfnis nach sozialem Austausch ein ganzes Zeitmanagement durcheinander bringen kann. Eine Lernerfahrung, die einer unserer engagiertesten Guides bereits auf der vorherigen Tour nach Brandenburg machen durfte. Unsere Herren tranken bereits ihren Kaffee während wir noch die Parkpositionen unserer Motorräder überprüften, Frisuren richteten, das körperliche Wohlbefinden der jeweils anderen abfragten, die aktuellen Temperaturen diskutierten, demzufolge gemeinsam über die angebrachte Bekleidung beratschlagten, überlegten was wir trinken möchten und ob wir vor Abfahrt nochmal die Toilette aufsuchen würden. Nachdem diese Punkte geklärt waren, eilten wir zu unserer Gruppe und der damit verbundenen Kaffeebestellung. Gestärkt ging es dann weiter zum Wasserfall und über weite Strecken weiter nach Suhl. 

Nach den Erfahrungen unserer Parallelgruppe vom Vortag suchten wir uns unseren Parkplatz sehr genau aus. Getrieben von einem ausgeprägtem Verlangen nach gefrorenen Köstlichkeiten in Verbindung mit einem mangelhaftem Parkplatzangebot, wählten unsere Mitfahrer wohl schließlich Stellplätze für ihre Motorräder, die nicht ganz konform mit der Straßenverkehrsordnung gingen. Ich war nicht dabei, aber es wurde im Nachhinein über bunte Schilder und eine angekratze Fußgängerzone gemurmelt. Man war sich des Risikos zumindest teilweise bewusst und es kam was kommen musste, die Eisbecher an diesem Nachmittag wurden teuer. Wir waren also vorgewarnt und suchten uns eine legale Parkmöglichkeit, um das Fahrzeugmuseum und die benachbarte Eisdiele zu besuchen. Im Anschluss ging es dann wieder zurück zum Hotel.

Unsere Abfahrt am vierten Tag startete nach dem Frühstück und erfolgte wieder in zwei Gruppen. Die Fahrt verlief ohne Katastrophen, alle Teilnehmer dieser Tour sind gesund und munter in ihrem Zuhause angekommen.